FM Colin Federer (SUI, 2269) vs GM Emre Can (TUR, 2534) · 0-1
Brett 4, Schweiz gegen Türkei · Caro-Kann, Vorstossvariante, System Short (B12)
Von Professor Zugzwang KI-Coach . Diese Analyse wurde von einem KI-Coach von Bogner Chess geschrieben.
Brett 4, Weiss, und gegenüber ein Grossmeister mit 2534, zweihundertfünfundsechzig Punkte über der eigenen Wertung. Colin Federer hat daraus keine Verlegenheitspartie gemacht: Er baute im Caro-Kann einen Königsangriff auf, stand zweimal deutlich besser und verlor am Ende an einem einzigen Feld.
Vier Entscheidungen tragen diese Partie, und alle vier liegen bei Weiss: der Turmschwenk im 21. Zug, der Läuferabtausch im 24., die Wahl der schlagenden Figur im 32. und ein Königszug im 38., bei dem es nur noch zwei legale Möglichkeiten gab. Gegner war die Türkei, im Turnier als Nummer 14 gesetzt.
Der Turmschwenk, der unterwegs d5 angreift
Weiss hat den Angriff sauber aufgebaut. und nehmen den Königsflügel in Beschlag, und der Turm auf d1 will über die dritte Reihe nach g3. Zwei Wege führen dorthin, und nur einer verdient etwas nebenbei: greift den Bauern d5 an, der ausser vom Bauern e6 von nichts gedeckt wird.
Zurückschlagen darf Schwarz dann nicht. Nach ist die Diagonale des Läufers f4 offen, er zielt auf die Dame c7 und den Turm b8, und der Bauer e6 greift zusätzlich den Springer d7 an. Drei Angriffe auf einmal: Weiss investiert dafür den Turm und steht danach klar auf Gewinn.
Gespielt wurde , und damit stellt sich eine eigene Figur zwischen den Turm auf d1 und den Bauern d5. Einen Zug später kam der Turm mit doch noch, aber jetzt ohne Drohung, weil der Springer im Weg steht. Der Unterschied ist knapp ein Bauer. Die Regel für die eigene Partie: Wenn eine Figur auf zwei Wegen ans Ziel kommt, nehmen Sie den Weg, der unterwegs etwas angreift, und verstellen Sie nie die Linie, auf der Ihr Turm gleich arbeiten soll.
GM Emre Can (TUR, 2534)
FM Colin Federer (SUI, 2269)
Der falsche Abtausch: 24.Lg5
Weiss hat alles beisammen: Dame auf g4, Turm auf g3, Bauer auf h5, schwarzer König auf h8. Der Zug, der daraus etwas macht, ist , und zwar sofort. Nach muss der Bauer g7 weichen, der weisse Bauer bleibt als Keil auf h6 stehen, und die dunklen Felder f6 und g7 gehören dauerhaft Weiss. Genau für diese Felder steht der Läufer auf f4.
Gespielt wurde , das Angebot, die schwarzfeldrigen Läufer zu tauschen. Damit verschwindet die Figur, die diese Felder besetzen sollte. Nach vertreibt Schwarz die Dame mit Tempo, der Angriff ist vorbei, und die Stellung ist vollkommen ausgeglichen. Ein Dreiviertelbauer Vorteil löst sich in einem einzigen Zug auf.
Beim Angriff tauscht man die Verteidiger, nicht die Angreifer. Bevor Sie einen Abtausch anbieten, zählen Sie, welche Ihrer Figuren dem gegnerischen König am nächsten kommt, und fragen Sie dann, ob ausgerechnet diese gerade das Brett verlässt.
GM Emre Can (TUR, 2534)
FM Colin Federer (SUI, 2269)
Zwei Figuren, ein Feld: 32.Sxe6
Die Stellung war längst wieder ausgeglichen, und Weiss hatte den Bauern f4 bewusst hergegeben: war der beste Zug am Brett, danach ebenfalls. Dann stellte Schwarz mit die Dame auf die andere Brettseite, weit weg vom eigenen König, und Weiss steht plötzlich knapp zwei Bauern besser.
ist der Zug: Springer und Turm zielen beide auf g7. Nach ist der schwarze Turm an die Deckung gebunden, und der weisse Turm bleibt auf g6 stehen, wo er die Arbeit macht. Die meisten Spieler schlagen hier mit dem Springer, weil der Springer in diesem Angriff die kleinere Rolle hat.
Gespielt wurde , und der Unterschied liegt allein in der Figur, die schlägt. Nach ist genau der Turm vom Brett, der auf g6 gestanden hat, und mit ihm der Angriff. Die Frage dahinter ist klein und entscheidet oft ganze Partien: Wenn zwei Figuren dasselbe schlagen können, schlägt die, deren Arbeit erledigt ist.
GM Emre Can (TUR, 2534)
FM Colin Federer (SUI, 2269)
Zwei legale Züge, und einer davon ist remis
Einen Zug vorher hatte Weiss dieselbe Frage schon richtig beantwortet. Auf gab es drei legale Züge, und nur hält die Stellung: gewinnt für Schwarz den Turm. Jetzt, im 38. Zug, sind noch zwei Züge übrig, und macht remis. Nach wiederholt sich die Stellung, und Schwarz hat nichts Besseres.
sieht aus wie dasselbe und verliert, weil der Springer von h1 aus mit Schach nach f2 kommt. Nach droht das Matt auf h2, weil der Springer auf g4 die Felder f2 und h2 deckt und der eigene Turm auf f1 dem König die Flucht versperrt. Dagegen hilft nur, die Dame zu geben: .
In der Partie kam , und Weiss gab beim Schach auf. Colin Federer hatte an dieser Stelle gut zwei Minuten auf der Uhr und drei Züge bis zur Zeitkontrolle und spielte in wenigen Sekunden. Zwei legale Züge sind keine Erleichterung, sondern die Aufforderung, beide auszurechnen: Der Unterschied zwischen g1 und h1 ist ein Feld und die Frage, ob der Springer mit Schach nach f2 kommt.
GM Emre Can (TUR, 2534)
FM Colin Federer (SUI, 2269)
Fazit
Ein FIDE-Meister mit 2269 gegen einen Grossmeister mit 2534: Auf dem Papier ist das eine klare Sache, auf dem Brett war es keine. Im 21. Zug lag ein Bauer bereit, im 24. ein Angriff, im 32. ein Vorteil, der knapp zwei Bauern wog, im 38. ein halber Punkt, der an einem Feld hing. Verloren ging die Partie nicht an Können, sondern an vier Entscheidungen, die jede für sich auch stärkeren Spielern in Zeitnot danebengehen. An Brett 4 gegen einen 2534er wäre der halbe Punkt für das Schweizer Team ein guter Tag gewesen, und er war genau zwei legale Züge weit entfernt.
Züge
0-1
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