Was ist eigentlich die SJMM?
Die Schweizerische Jugend-Mannschaftsmeisterschaft läuft über fünf Samstage, an vier Brettern, in vier Kategorien – und schliesst die SMM nicht aus. Beides im selben Jahr ist erlaubt.
SJMM heisst Schweizerische Jugend-Mannschaftsmeisterschaft. Sie läuft über fünf Samstage von Dezember bis Juni und ist offen für alle, die höchstens zwanzig werden. In der letzten Saison waren es 117 Mannschaften, 15 mehr als im Jahr davor und so viele wie noch nie. Die SMM, die Meisterschaft der Erwachsenen, schliesst sie nicht aus: beides im selben Jahr ist erlaubt. Dies ist die 20. Austragung.
Man darf beide Meisterschaften spielen
Man muss sich nicht entscheiden. SMM und SJMM sind zwei getrennte Wettbewerbe: die eine führt die Turnierkommission, die andere die Jugendschachkommission, jede mit eigenem Reglement. Keines der beiden Reglemente erwähnt das andere.
Das SMM-Reglement begrenzt die Einsätze eines Spielers ausdrücklich «pro Turnier (SMM und SGM)», also innerhalb der SMM und, davon getrennt, innerhalb der SGM. Das SJMM-Reglement sagt in Art. 5 Abs. 3 nur, dass ein Spieler «in derselben Saison nur für eine Sektion spielen» darf, und meint damit seine eigene Saison. Eine Klausel, die das eine gegen das andere ausschliesst, gibt es nirgends.
Praktisch entscheidet der Wochentag. Die SJMM spielt immer am Samstag. Art. 8 Abs. 1 des Reglements beginnt mit vier Wörtern: «Gespielt wird am Samstag.» Die SMM-Nationalliga spielt meist am Sonntag. Die Saisons überlappen sich in den Monaten, aber nicht an den Tagen: unten sind beide gezeichnet, und man sieht, dass die letzten zwei SJMM-Samstage mitten in der SMM-Saison liegen.
Der Aufwand ist überschaubar: fünf Spieltage im Jahr. Wer beide Meisterschaften spielt, kommt auf gut ein Dutzend Wettkampftage, verteilt über zwölf Monate.
Wie die SMM selbst aufgebaut ist, steht im Beitrag darüber: Was ist eigentlich die SMM?
Vier Kategorien statt sechs Ligen
Der Aufbau ist der einer Liga: Vereine melden Mannschaften, die Mannschaften werden in Gruppen eingeteilt, jede Gruppe spielt jeden gegen jeden, und am Ende wird auf- und abgestiegen. Nur ist alles kleiner als in der SMM, 117 Mannschaften gegen 349, und statt sechs Ligen sind es vier Kategorien.
Oben zwei Gruppen National A mit je sechs Mannschaften, darunter vier Gruppen National B, dann die Regionalliga 1 mit 10 Gruppen und zuunterst die Regionalliga 2 für Einsteiger. Die Form ist dabei keine Pyramide: die Regionalliga 1 ist die breiteste Kategorie, und die Regionalliga 2 darunter ist gut halb so gross. Sie wird überhaupt nur durchgeführt, wenn sich genug Mannschaften melden.
Tippen Sie eine Kategorie an, dann eine Gruppe, um die Vereine zu sehen.
Den eigenen Verein nachschlagen
Die meisten wollen wissen, was ihr eigener Verein macht. Viele Vereine stellen in beiden Meisterschaften Mannschaften, und wer in der SMM in der 3. Liga spielt, hat womöglich nebenan ein Jugendteam in der Regionalliga.
Der Verband führt die beiden Listen getrennt und schreibt Vereinsnamen dabei nicht gleich: in der SMM «Winterthur», in der SJMM «SG Winterthur». Hier wird in beiden gesucht, nebeneinander gestellt und nicht zusammengelegt.
Ein Spieltag ist ein ganzer Tag
In der SMM ist eine Runde ein Wettkampf an einem Tag. In der SJMM treffen sich an einem Spieltag vier bis acht Mannschaften im selben Lokal und spielen bis zu 2 Runden: eine am Vormittag zwischen 10 und 10.30 Uhr, eine am Nachmittag zwischen 14 und 14.30 Uhr, mit mindestens einer halben Stunde Pause dazwischen. Deshalb kommt die Saison mit fünf Spieltagen aus.
So kommt eine Gruppe mit sechs Mannschaften auf ihre 5 Runden, obwohl nur an 4 Samstagen gespielt wird. Gastgeber ist jeweils ein teilnehmender Verein. Jeder Verein, der mitspielt, muss einen oder zwei Spieltage selbst organisieren. Das gehört zur Anmeldung dazu.
Gespielt wird an 4 Brettern, in allen Kategorien. Vier Spieler pro Mannschaft und Wettkampf, mehr nicht. Wer weniger aufstellt, lässt die hintersten Bretter leer; gültig ist ein Wettkampf, wenn auf beiden Seiten an mindestens der Hälfte der Bretter gespielt wurde.
Die Aufstellung ist in der Kategorie National nicht frei. Sie muss der Spielstärke etwa entsprechen: kein Spieler darf vor einem eingesetzt werden, der mehr als 100 Elo-Punkte mehr hat, und wer keine Elo-Zahl hat, nicht vor jemandem über 1550. In der Nationalliga A sind das 90 Minuten pro Partie, in der Regionalliga 60, dazu 30 Sekunden pro Zug. Seit dem 1. Januar 2026 zählen alle Partien für die FIDE-Wertung, «soweit es möglich ist», nicht mehr nur die der nationalen Kategorien.
Mannschaftspunkte, Einzelpunkte, und zuletzt die Brettwertung
Gewertet wird wie in der SMM: zwei Mannschaftspunkte für einen gewonnenen Wettkampf, einer für ein Unentschieden, keiner für eine Niederlage, und rangiert wird nach Mannschaftspunkten. Bei Gleichstand entscheiden zuerst die Einzelpunkte, dann die direkte Begegnung.
Gibt auch die nichts her, entscheidet die Brettwertung. Dabei zählt, an welchen Brettern eine Mannschaft gewonnen hat, nicht wie viele Partien. Ein Sieg am letzten Brett gibt einen Punkt, am zweitletzten zwei, und so weiter nach vorn.
Ein Sieg an Brett 1 ist damit viermal so viel wert wie einer an Brett 4. Wer oben gewinnt, gewinnt den Stichentscheid, auch wenn die Wettkämpfe gleich ausgegangen sind.
Der Final an einem Tag
Den Meister der National A entscheidet ein Finalturnier am letzten Spieltag, nicht die Tabelle. Die Halbfinals werden über Kreuz gepaart: Erster West gegen Zweiter Ost und umgekehrt. Dann folgen Final und kleiner Final. Am selben Tag werden auch die Aufstiegsspiele ausgetragen.
Steht ein Final nach den klassischen Partien unentschieden, wird er mit denselben Paarungen und vertauschten Farben wiederholt, mit 10 Minuten plus 5 Sekunden pro Zug. Reicht auch das nicht, kommt wieder die Brettwertung, und wenn selbst die gleich ist, gewinnt die Mannschaft mit dem tieferen Elo-Durchschnitt, also die schwächer eingeschätzte.
2026 brauchte es den ersten dieser Schritte. Die SG Winterthur und Echallens trennten sich 2:2, im Schnellschach setzte sich Winterthur 3:1 durch und verteidigte den Titel. In der Mannschaft sass Colin Federer, der im selben Jahr auch für die Schweiz an der Schacholympiade spielte.
Wer mitspielen darf
Spielberechtigt sind SSB-Mitglieder, die im Jahr des Finals höchstens 20 Jahre alt werden. Für die Saison 2027 heisst das Jahrgang 2007 und jünger. Nach unten gibt es keine Grenze.
Es gibt keine Alterskategorien innerhalb der SJMM. Eingeteilt wird nach Spielstärke, nicht nach Jahrgang. Ein Zehnjähriger und eine Neunzehnjährige können in derselben Mannschaft an zwei benachbarten Brettern sitzen.
Angemeldet wird nicht der Spieler, sondern die Mannschaft, und zwar durch den Verein. Ein Turniereinsatz wird nicht erhoben; Reise und Lokalmiete tragen die Vereine. Jede Mannschaft braucht einen Mannschaftsleiter, der die Schachregeln kennt. Das Reglement sagt ausdrücklich, dass Begleitpersonen ohne Regelkenntnis dafür nicht eingesetzt werden dürfen.
Wann was publiziert wird
Anders als bei der SMM, wo die Termine der nächsten Saison im Herbst davor noch fehlen, ist die SJMM früh dran. Die Ausschreibung erscheint Anfang August bis Mitte September, also rund zehn Monate vor dem Final. Der erste Spieltag liegt Mitte November bis Anfang Dezember, die Gruppeneinteilung kommt einige Wochen vor dem ersten Spieltag.
Die Ausschreibung nennt als Anmeldeschluss Ende September. Verbindlich ist das offenbar nicht: Ende Oktober 2026 stand auf der Anmeldeseite des Verbands weiterhin «Die Anmeldung für die SJMM 2027 ist eröffnet», und das Formular nannte überhaupt keine Frist. Wer spät dran ist, fragt also besser die Turnierleitung, statt das Datum im PDF für das letzte Wort zu halten.
Die Termine der Saison 2027 stehen damit längst fest. Die Mannschaftslisten in diesem Beitrag sind die der Saison 2026: die Einteilung für 2027 war beim Schreiben noch nicht publiziert. In National A und B ändert sich daran ohnehin wenig. Dort bleiben die Gruppen bis auf Auf- und Abstieg bestehen.
Wo man zuschaut
Die SJMM wird nicht live übertragen. Runden, Ranglisten und Statistiken aller vier Kategorien stehen beim Verband, mit Archiv zurück bis 2011.
Quellen
Alle Zahlen und Regeln in diesem Beitrag stammen aus dem SJMM-Reglement des Schweizerischen Schachbunds, aus der Ausschreibung zur Saison 2027 und aus der Gruppierung der Saison 2026. Die Mannschaftslisten sind mit den Spielplänen derselben Saison abgeglichen. Der Vergleich mit der SMM stammt aus deren eigenem Reglement, das Resultat des Finals aus dem Turnierbericht des Verbands.
Reglement und Ausschreibung widersprechen sich bei einer Zahl. Art. 15 des Reglements gibt für die Nationalliga A und B je 90 Minuten an. Die Ausschreibung weicht davon mal ab und mal nicht. Für die National B nennt sie 2025 und 2027 je 75 Minuten, 2026 dagegen 90. Dieser Beitrag folgt dem Reglement; wer in der National B spielt, fragt besser die Turnierleitung.