Schach in der Schweiz

Was ist eigentlich die SJEM?

Die Schweizer Jugend-Einzelmeisterschaft ist die einzige der vier nationalen Meisterschaften, in der niemand für eine Mannschaft spielt: fünf Kategorien, vier Quali-Wochenenden und eine Punktetabelle, die das Finalfeld bestimmt.

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SJEM heisst Schweizer Jugend-Einzelmeisterschaft. Sie ist die einzige der vier nationalen Jugend- und Vereinsmeisterschaften, in der niemand für eine Mannschaft spielt: keine Vereinsteams, keine Gruppen, kein Auf- und Abstieg. Stattdessen fünf Alterskategorien von U10 bis U18, vier Qualifikationsturniere über die Saison verteilt und ein Finalturnier über Pfingsten. Die Saison 2027 hat am 4. September 2026 in Hergiswil begonnen; entschieden wird sie am 17. Mai 2027.

Man meldet sich selbst an

Angemeldet wird der Spieler, nicht eine Mannschaft. Das ist der Unterschied zu den drei Mannschaftsmeisterschaften: dort melden Vereine Teams, hier schreibt man dem Organisator eines Wochenendes und überweist den Einsatz. Mitglied des Schweizerischen Schachbunds muss man trotzdem sein, für die Qualifikationsturniere wie für das Final (Art. 4 Abs. 2). Ausnahmen muss man beantragen.

Veranstalter ist der Verband, durchgeführt wird aber delegiert. Die Jugendschachkommission übergibt jedes Wochenende einer Sektion oder einer Interessengruppe und achtet dabei auf die Regionen (Art. 2 Abs. 2). In der Saison 2027 heisst das Hergiswil, Lugano, Genf, Basel: eines in der Zentralschweiz, eines im Tessin, eines in der Romandie, eines am Rheinknie.

Der Einsatz beträgt 50 Franken pro Wochenende, in allen Kategorien gleich. Die Kommission setzt ihn fest (Art. 2 Abs. 5). Dazu kommen Reise und Unterkunft, und die sind der eigentliche Kostenpunkt: Wer von Genf nach Hergiswil fährt, bleibt zwei Nächte.

Wer in welcher Kategorie spielt

Massgebend ist das Alter, das im Jahr des Finals erreicht wird, nicht am Turniertag (Art. 4 Abs. 1). Für das Final 2027 heisst das: U10 ist Jahrgang 2017 und jünger, U18 Jahrgang 2009 und jünger.

Die Altersgrenze schreibt nur vor, was zu alt ist, nicht, wo man spielen muss. Ein Zehnjähriger darf also in der U10 antreten, aber auch in der U12, U14, U16 oder U18. Eine jüngere Kategorie ist nie erlaubt, jede ältere schon. Starke Junioren melden sich oft eine Kategorie höher, weil die Gegner dort eine höhere Elo-Zahl haben und die Partien mehr Wertungspunkte bringen.

Jan Saminskij zeigt, wie sich das über die Jahre verschiebt. Er wurde 2026 Schweizer Meister der U14 und ist für das Final 2027 in der U16 vorqualifiziert.

Massgebend ist das Alter, das im Jahr des Finals 2027 erreicht wird.

Ein Quali-Wochenende: drei kurze Partien, vier lange

Ein Qualifikationsturnier dauert drei Tage, Freitagabend bis Sonntag (Art. 3 Abs. 1), und umfasst sieben Runden nach Schweizer System (Art. 13 Abs. 1). Die ersten drei werden am Freitagabend hintereinander gespielt, mit 15 Minuten plus 3 Sekunden pro Zug und ohne Notationspflicht. Die vier langen Partien folgen am Samstag und Sonntag, je zwei pro Tag, mit 90 Minuten plus 30 Sekunden.

In den langen Partien darf ein Remis erst ab dem 31. Zug angeboten werden. Wird eine Partie vorher per Remisangebot beendet, kann der Hauptschiedsrichter sie mit 0:0 werten (Art. 10 Abs. 2). Für die FIDE-Wertung zählen alle Partien ausser den drei Rapid-Runden (Art. 9).

Wer zu spät kommt, verliert nicht sofort. 30 Minuten nach offiziellem Rundenbeginn gilt noch als rechtzeitig, mit einer Verwarnung (Art. 11). Im Turniersaal gelten Ruhe und Analyseverbot, und der Verhaltenskodex der Kommission gilt nicht nur für die Spieler, sondern auch für Begleitpersonen und Zuschauer (Art. 12).

Das erste Wochenende der Saison 2027 gibt eine Vorstellung von der Grösse. In Hergiswil spielten 244 Kinder und Jugendliche in fünf Kategorien, von 42 in der U10 bis 59 in der U12. Die Hotelkapazität in Nidwalden ist begrenzt, also bot der Verein Betten im Katastrophenschutzraum an, 40 Franken die Nacht, Schlafsack mitbringen, Bettlaken wird gestellt. Mittagessen kostete 18 Franken, samstags Hörnli mit Gehacktem.

Wie man ins Final kommt

Für das Final qualifiziert man sich auf zwei Wegen, und der kürzere ist der direkte. Wer ein Qualifikationsturnier als bestrangierter titelberechtigter Spieler gewinnt, ist drin (Art. 17 Abs. 1). Ist dieser Spieler schon qualifiziert, rückt der nächste nach.

Alle anderen Plätze gehen über eine Punktetabelle, und die ist der Teil, den kaum jemand im Kopf hat. Jedes Turnier bringt eine Einzelwertung: das Zehnfache der erreichten Punktzahl, dazu die Rangpunkte für die Platzierung (Art. 16 Abs. 1). Die Rangpunkte sind im Reglement als Liste festgelegt: 50 für den Sieg, 45 für Platz zwei, 41 für Platz drei. Zwischen den ersten Plätzen liegen also vier bis fünf Punkte, ab Platz zwölf nur noch je ein Punkt, bis minimal eins.

Für die Gesamtwertung zählen die drei besten Einzelwertungen von vier Turnieren (Art. 16 Abs. 2). Das schlechteste Wochenende fällt also weg, und wer nur drei spielt, verliert dadurch nichts. Ein verpasstes Turnier taucht in der Tabelle überhaupt nicht auf. Es zählt nicht als Null.

Zwei Sonderfälle verschieben das noch. Wird ein U16- oder U18-Turnier als Open ausgetragen, zählt die Punktzahl 13-fach statt 10-fach (Art. 22 Abs. 1); das Reglement sagt nicht, warum. Und wer ein Wochenende verpasst, weil er für die Schweiz an einer Europa- oder Weltmeisterschaft oder an der Schacholympiade spielt, bekommt pauschal 70 Rangpunkte gutgeschrieben (Art. 15a). Das gilt nur für Selektionen des Verbands selbst.

Unten kann man es durchrechnen. Rang und Punktzahl pro Wochenende eintragen, und die Tabelle zeigt, welches Resultat gerade das Streichresultat ist.

Rangpunkte Für die Plätze eins bis zwölf, wie das Reglement sie aufzählt. Danach fällt die Reihe um einen Punkt pro Platz, bis eins.
1
50
2
45
3
41
4
38
5
36
6
34
7
32
8
30
9
29
10
28
11
27
12
26

Gesamtwertung ausrechnen

10 × Punkte + Rangpunkte

Rang und Punktzahl pro Quali eintragen. Von 4 Turnieren zählen die 3 besten; das schlechteste fällt weg. Leer lassen heisst nicht gespielt.

1. Qualinicht gespielt
2. Qualinicht gespielt
3. Qualinicht gespielt
4. Qualinicht gespielt

Gesamtwertung0

Noch keine Eintragung.

Das Finalturnier

Im Final spielen sechzehn Spieler pro Kategorie, in der U18 acht (Art. 24 und 24a). Über alle fünf Kategorien sind das 72 Plätze, und genau so viele Finalistinnen und Finalisten waren 2026 in Zürich am Start.

Nicht alle Plätze kommen aus der Tabelle. Der Juniorencoach des Verbands darf pro Kategorie bis zu zwei Spieler vor dem ersten Wochenende von der Qualifikation dispensieren und bis zu zwei Wildcards vergeben. Die U18 ist davon ausgenommen: Dort müssen sich alle acht über die Turniere qualifizieren (Art. 24a Abs. 1). Für 2027 sind drei Spieler vorqualifiziert, zwei in der U16 und einer in der U12.

Gespielt wird über vier Tage, sieben Runden nach Schweizer System, mit derselben Bedenkzeit wie in den langen Quali-Partien (Art. 25). Schweizer Meister wird der bestklassierte titelberechtigte Spieler. Stehen zwei davon punktgleich an der Spitze, entscheidet ein Stichkampf: zuerst Partien mit 10 Minuten plus 10 Sekunden, bei erneutem Gleichstand mit 5 Minuten plus 3 Sekunden (Anhang 1). Gespielt wird dabei nur um den Titel; die übrige Rangierung bleibt, wie das Turnier sie hinterlassen hat.

2026 gingen vier der fünf Goldmedaillen an Zürcher Vereine, zwei an den SV Wollishofen und je eine an die SG Zürich und den SC Seebach. Den fünften Titel holte Ziad Kanana für den SK Bern.

Der Austragungsort des Finals 2027 war beim Schreiben noch nicht bestimmt.

Titelberechtigt ist nicht jeder, der mitspielen darf

Mitspielen und gewinnen sind zwei verschiedene Fragen. Titelberechtigt ist, wer das Schweizer Bürgerrecht hat, oder wer in der Schweiz wohnt und keiner ausländischen FIDE-Föderation angehört (Art. 6 Abs. 1). Entschieden wird das vor dem letzten Qualifikationsturnier, nicht vorher.

Teilnehmen dürfen zusätzlich Spieler einer ausländischen Föderation mit Wohnsitz in der Schweiz und Spieler der Föderation Liechtenstein mit Wohnsitz im Fürstentum (Art. 6 Abs. 2). Sie stehen in derselben Rangliste und spielen um dieselben Preise.

Praktisch heisst das, dass der Sieger eines Quali-Wochenendes und der direkt Qualifizierte nicht dieselbe Person sein müssen. Art. 17 vergibt das Ticket an den bestrangierten titelberechtigten Spieler, und der kann der Zweite oder Dritte der Liste sein.

Das Mädchenfinal ist ein anderes Turnier

Für die Mädchen gibt es ein eigenes Finalturnier in den Kategorien MU10 bis MU18, an einem eigenen Wochenende (Art. 1 Abs. 3). Qualifiziert ist, wer sich schon direkt für ein Final U10 bis U18 qualifiziert hat oder vorqualifiziert wurde; dazu kommt eine Wildcard und danach die Gesamtwertung, bis das Feld auf sechs steht.

Gespielt wird vollrundig: sechs Spielerinnen, fünf Runden, jede gegen jede. Das Hauptfinal ist dagegen ein Schweizer System über sieben Runden unter sechzehn. Bei Punktgleichheit entscheidet Sonneborn-Berger, dann die direkte Begegnung (Anhang 2). Über fünf Kategorien sind das 30 Plätze, und 2026 waren sie in Winterthur alle besetzt.

Die Kommission darf diesen Anhang vor einer Austragung anpassen, wenn sich in einer Kategorie zu wenige titelberechtigte Spielerinnen qualifizieren oder zu wenige anmelden. Das Final 2027 ist für den 4. bis 6. Juni 2027 angesetzt.

Sechs Wochenenden, und eine Kollision

Die Saison besteht aus sechs Wochenenden: vier Qualifikationsturniere, das Final und das Mädchenfinal. Verteilt über zehn Monate sind das weniger Spieltage als in jeder Mannschaftsmeisterschaft, aber es sind ganze Wochenenden statt einzelner Tage.

Damit stellt sich die Frage, ob daneben noch eine Mannschaftsmeisterschaft Platz hat. Die Antwort ist fast durchgehend ja. Gegen die fünf SJMM-Samstage und die zehn Spiel- und Entscheidungstage der SGM, zusammen fünfzehn Termine, gibt es genau eine Überschneidung: Die Stichkämpfe der SGM liegen am Samstag des 4. Qualifikationsturniers in Basel.

Betroffen ist davon nur, wessen Zone am Ende punktgleich dasteht. Alles andere geht nebeneinander auf. Die Kommissionen schauen sich die Kalender der anderen an.

Saison 2027: 6 Wochenenden

Wochenende antippen.

Sep
Nov
Jan
Mär
Mai
SJEM: 6 Wochenenden
SJMM: 5 Samstage
SGM: 10 Samstage

Sechs SJEM-Wochenenden, zwölf SJMM- und SGM-Samstage, und genau eine Überschneidung dazwischen.

Die anderen drei Meisterschaften

Die drei Mannschaftsmeisterschaften sind an anderer Stelle beschrieben, jede mit ihrem eigenen Aufbau:

Wo man zuschaut

Die Qualifikationsturniere werden übertragen, und zwar breiter als die Mannschaftsmeisterschaften. In Hergiswil liefen die ersten vier Bretter jeder Altersklasse live auf Lichess und chess.com, vor Ort zusätzlich auf einer Leinwand. Die Rapid-Partien kamen mit fünf Minuten Verzögerung, die langen mit fünfzehn.

Ranglisten, Paarungen und Startlisten stehen pro Kategorie auf chess-results, jedes Wochenende als eigenes Turnier.

Quellen

Alle Regeln und Artikelnummern in diesem Beitrag stammen aus dem SJEM-Reglement des Schweizerischen Schachbunds in der Fassung vom 1. September 2026. Die Termine der Saison 2027 sind dem Terminkalender des Verbands entnommen und mit der Turnierankündigung vom 31. August 2026 abgeglichen. Die Teilnehmerzahlen des ersten Wochenendes sind aus den fünf Schlussranglisten auf chess-results gezählt, die praktischen Angaben aus der Ausschreibung des Veranstalters. Die Zahlen und Namen des Finals 2026 stammen aus den Turnierberichten des Verbands.