IM Fabian Bänziger (SUI, 2426) vs GM Velimir Ivic (SRB, 2601) · ½-½
Brett 4, Schweiz gegen Serbien · Caro-Kann, Vorstossvariante (B12) · 90 Minuten für 40 Züge, dann 30 Minuten, plus 30 Sekunden pro Zug
Von Professor Zugzwang KI-Coach . Diese Analyse wurde von einem KI-Coach von Bogner Chess geschrieben.
Board vier, Weiss, gegen einen Grossmeister mit 2601. Die anderen drei Bretter waren zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie durch: Sebastian Bogner hatte gegen Sarana verloren, Nico Georgiadis gegen Indjic verloren, Peng Li Min gegen Predke remisiert. Der Matchstand hiess 0,5 zu 2,5, und die Frage an Brett vier lautete nicht mehr, ob die Schweiz das Match holt, sondern ob der junge IM einem 175 Elopunkte stärkeren Gegner das Handwerk erschwert. Ein halber Punkt hier bleibt trotzdem ein halber Punkt gegen einen Grossmeister, und die Uhr eines jungen Spielers zählt jeden Zug mit.
Und die Uhr ist auch der rote Faden dieser Woche. Zum dritten Mal in diesem Turnier fiel Fabian Bänziger vor dem vierzigsten Zug unter fünf Minuten, und diesmal so früh wie noch nie: ab Zug siebenundzwanzig. Zwei Bedenkzeiten von über einer Viertelstunde standen im Weg, die eine im siebten Zug, die andere im fünfzehnten, und beide führten nicht zum stärksten Zug.
Der Aussenposten will besetzt werden: 15.Sd6
Aus einer Vorstoss-Caro-Kann hat sich eine Stellung entwickelt, in der Weiss eines im Griff hat und der Rest sich darum ordnet: das Feld d6. Der eigene Bauer auf e5 deckt es, der schwarze Bauer c6 hindert nichts, und der Springer auf e4 kann in einem Zug hin. Das ist keine Randnotiz, sondern der Kern der Stellung, und der stärkste Zug ist der, der ihn benutzt: , mit Angriff auf f7 und b7 zugleich.
Nach ist der Springer auf d6 keine Figur, die man wieder loswird, und Weiss steht gut einen halben Bauern besser. Gespielt wurde , und der Zug ist keine Katastrophe, aber er gibt die Hälfte des Vorteils zurück: aus vier Fünftel eines Bauern wird ein knappes Drittel. Fabian Bänziger dachte sechzehn Minuten und fünfundzwanzig Sekunden über diesen Zug nach, das ist die längste Bedenkzeit der Partie.
Die Regel dahinter lässt sich in einer Zeile formulieren: Wenn der Aussenposten steht und die Figur bereit ist, wird zuerst besetzt und dann geordnet, nicht umgekehrt. Ein Turm auf c1 ist die Vorbereitung eines Zuges, der ohne die Besetzung von d6 nichts erzwingt. Der Springer auf d6 ist der Zug, den die Vorbereitung eigentlich vorbereiten soll.
GM Velimir Ivic (SRB, 2601)
IM Fabian Bänziger (SUI, 2426)
Der falsche Flügel in Zeitnot: 31.h5
Die Stellung ist ausgeglichen. Zwei schwarze Springer auf d5 und f5, ein weisser Zentrumsbauer auf e5, keine Seite hat mehr als einen viertel Bauern in der Hand. Der einzige Bruch, der etwas erzwingt, heisst , und er ist konkret: Der Bauer greift den Springer f5 an, und nach hält Weiss die Balance und trocknet die Stellung ab.
Gespielt wurde , mit einer Minute achtundfünfzig auf der Uhr nach dem Zug. Der h-Bauer greift nichts an. Die Antwort ist der Zug, den Weiss nicht mehr rechnen wollte: , und mit ihm bricht das schwarze Zentrum los. , und die Stellung ist von null auf gut einen halben Bauern zugunsten von Schwarz gekippt.
Objektiv war das ein taktischer Fehler, kein Zug in der falschen Reihenfolge. Menschlich war es der Zug, den man in Zeitnot spielt, weil er keine gegnerischen Züge zu berechnen scheint. Genau darin liegt die Regel: In Zeitnot fasst man den Zug ins Auge, der die gegnerische Figur berührt, nicht den, der einen eigenen Bauern nach vorne stellt. Ein Bauernzug am Rand ändert die Stellung um ein Feld; der Bauer im Zentrum, den man angreifen lässt, ändert sie um alles.
GM Velimir Ivic (SRB, 2601)
IM Fabian Bänziger (SUI, 2426)
Der Sturm bis zum vierzigsten Zug
Ab dem vierunddreissigsten Zug hatte Fabian Bänziger keine ganze Minute mehr auf der Uhr, und zwischen Zug vierunddreissig und Zug vierzig kam er kein einziges Mal wieder über zwei Minuten. In solchen Sequenzen entscheidet die Vorbereitung, nicht die Berechnung: war der einzige Zug, der die Stellung noch hielt, der einzige, der Db3 verteidigt, der Abtausch, der die Dame vom Brett bringt, bevor sie noch etwas anrichtet, , um die zweite Reihe zu decken. Alles gespielt in Sekunden, alles der beste Zug.
Der einzige Zug in dieser Kette, den die Uhr wirklich verunreinigt hat, ist . Der Springer geht zurück, statt zu spielen, das den Springer auf d5 anvisiert: , und die Stellung ist nur noch gut ein Zehntel Bauer schlechter. Nach rutscht Weiss auf gut vier Zehntel Bauer im Rückstand, und das ist der Wert, mit dem die Partie in das Endspiel geht.
Die Regel für die eigene Uhr ist bekannt: In der Zeitnot spielt man die Züge, die man vorher gerechnet hat, und rechnet nicht mehr die, die man jetzt spielen möchte. Fabian Bänziger hat den Zug vierzig mit einer Minute und zwölf Sekunden erreicht, mehr Sekunden als die Zeit dazwischen es hätte erwarten lassen. Das ist ein Handwerk für sich.
GM Velimir Ivic (SRB, 2601)
IM Fabian Bänziger (SUI, 2426)
Turm und Springer verteidigen
Ein Endspiel mit Turm und Springer gegen Turm und Springer, drei gegen drei Bauern auf dem Königsflügel, alle in einer Kolonne. Der Materialstand ist unauffällig, das Urteil ist nüchtern: Für Schwarz ist es gut ein Zehntel Bauer, weniger als der Weite eines Feldes. Ein Grossmeister mit zweiundzwanzig Minuten und Weiss mit dreizehn spielt so eine Stellung dreissig Züge lang aus. Das Remis muss verteidigt, nicht angeboten werden.
Die weissen Züge lesen sich wie eine Anleitung zum Halten: stellt den Springer aktiv, bindet den Bauern e6 an die Verteidigung, nimmt die siebte Reihe, hält den Springer f6 fest. Kein Zug ist mehr als eine Winzigkeit vom besten entfernt, keine Sequenz gibt einem Grossmeister etwas an die Hand. Als die Uhr des Weissen ab Zug sechsundfünfzig ein zweites Mal unter fünf Minuten fällt, steht die Verteidigung schon.
Die Regel für Endspiele mit gleichem Material und Bauern auf einer Seite ist die stille Nachbarin der ganzen Endspieltheorie: Ohne einen Freibauern und ohne einen schwachen König gibt es kaum einen Weg, so etwas zu gewinnen. Wer verteidigt, muss die Aktivität seiner Figuren nicht überbieten, sondern halten. Fabian Bänziger hat das gemacht, und die Wiederholung sowie die Schlussfolge war die logische Abrundung.
GM Velimir Ivic (SRB, 2601)
IM Fabian Bänziger (SUI, 2426)
Fazit
Ein halber Punkt mit Weiss gegen einen Grossmeister mit 2601, in einem Match, das die Schweiz mit 1 zu 3 verlor. Die Partie hat zwei Themen und beide gehören zusammen. Das eine ist die Uhr, die zum dritten Mal in dieser Olympiade vor dem vierzigsten Zug unter fünf Minuten fiel, so früh wie noch nie. Das andere ist der eine Zug, der aus dem knappen Vorteil im fünfzehnten das Remis werden liess und aus dem ausgeglichenen dreissigsten den Kampf um den halben Punkt: wäre der gewesen, der besetzt statt vorbereitet. Dass Fabian Bänziger dann die vierundvierzig Züge nach dem Fehler mit dem gehalten hat, was das Handwerk zu bieten hat, ist die Nachricht des Tages. In einem Match, das schon verloren war, hat Brett vier den halben Punkt zurückgebracht, den Brett eins und Brett zwei nicht mehr hergaben.
Züge
½-½
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