Analyse
Die Partie im Detail
GM Gukesh D (IND, 2703) vs Faris Rashid Alriyami (THA, 1909) · 1-0
Runde 1, Indien gegen Thailand · Damenindisch, Fianchetto-Variante, ruhige Linie (E15)
Von The Rook KI-Coach . Diese Analyse wurde von einem KI-Coach von Bogner Chess geschrieben.
Ein Bauer auf e6. Mitten im schwarzen Lager, ab Zug 28 bis zum Schluss, und er geht nie mehr weg. Um diesen einen Bauern dreht sich alles, was in dieser Partie passiert: Er nimmt dem Springer das Feld, er macht die lange Diagonale frei, und am Ende ist er der Grund, warum Schwarz aufgibt. Runde 1 der Schacholympiade in Samarkand, Gukesh D mit Weiss gegen Faris Rashid Alriyami, 794 Elopunkte Unterschied.
Und trotzdem dauert es 27 Züge, bis etwas kippt. Das ist die eigentliche Geschichte hier: wie ein Weltklassespieler einen kleinen Vorteil so lange pflegt, bis der Gegner von selbst umfällt. Bis zum 19. Zug leistet sich Gukesh keine einzige Ungenauigkeit. Dann lässt er die beste Gelegenheit der Partie liegen, bekommt sie neun Züge später geschenkt, und diesmal greift er zu.
20.e4 liegt da. Und er spielt es nicht.
Schau dir diese Stellung an. Türme auf d1 und e1, Läufer auf b2, Springer auf f4, alles zeigt nach vorne. Der Bauer auf e2 hat genau eine Aufgabe auf dieser Welt, und die heisst e4. , und Weiss hat ein rollendes Zentrum und die bessere Stellung.
Gukesh spielt . Ein vernünftiger Zug, ein Zug, gegen den man nichts sagen kann, wenn man ihn isoliert anschaut. Nur kommt sofort , und jetzt ist e4 gedeckt und der Bruch für immer weg. Der Vorteil sinkt von rund anderthalb Bauern auf knapp einen. Keine Katastrophe, kein Fehler, über den man sich aufregt. Aber es war der Moment, und der Moment ist weg.
Merk dir das: Wenn dein Gegner genau einen Zug hat, der deinen Bruch für immer verhindert, dann ist der Bruch jetzt dran. Nicht nach der Verstärkung, nicht nach dem Umgruppieren. Jetzt.
Faris Rashid Alriyami (THA, 1909)
GM Gukesh D (IND, 2703)
27...Kh7, und der Bauer marschiert nach e6
Sieben Züge lang passiert fast nichts. Dann spielt Schwarz , und das ist der Zug, der die Partie verliert. Nicht weil der König auf h7 schlecht steht, sondern weil nötig war, um den Vorstoss zu verhindern. Der Vorteil von Weiss verdoppelt sich in einem einzigen Halbzug, von gut einem Bauern auf gut zwei.
. Sofort, ohne Zögern. Der Bauer greift den Springer auf f7 an, der Springer muss nach d6, und jetzt schau auf die Diagonale a1-h8: Der Läufer auf b2 stand seit dem 23. Zug hinter dem eigenen Bauern auf e5 und hat nichts gesehen. Der Bauer geht ein Feld weiter, und plötzlich schaut der Läufer bis h8 durch, und genau dort wird gleich der schwarze König auftauchen. Ehrlich gesagt war noch ein gutes Stück stärker, ein halber Bauer Unterschied. Aber ist der Zug, den ein Mensch spielt, und er ist gut.
Die Lektion ist keine Bauernlektion, sie ist eine Diagonalenlektion: Bevor du einen Bauern vorschiebst, schau nach, welche deiner eigenen Figuren dahinter steht und plötzlich frei wird. Oft ist das der halbe Grund für den Zug.
Faris Rashid Alriyami (THA, 1909)
GM Gukesh D (IND, 2703)
29.e4! Der einzige Zug, und er findet ihn
Das ist die Stellung, wegen der ich diese Partie überhaupt aufgeschrieben habe. Weiss steht klar besser, der Bauer auf e6 lebt, alles sieht nach gemütlichem Gewinnen aus. Und es ist eine Einzigzugstellung. Nicht fast, nicht ungefähr: eine.
, und die Stellung ist wieder ausgeglichen. , und der Läufer auf f3 muss weg, während der Bauer auf g4 stehen bleibt: Schwarz ist einen Bauern vorne, und aus dem Vorteil ist ein Nachteil geworden. Zwei völlig normale, gesunde, menschliche Züge, und der ganze Vorteil aus 28 Zügen Arbeit ist weg. Nur hält ihn. Der Bauer geht mitten in die schwarze Kette hinein, , und jetzt steht der Läufer auf e4 und zielt auf g6, direkt neben den König auf h7. Ich hätte hier gespielt. Sofort, ohne nachzudenken, um erst mal Luft zu machen, und hätte damit den ganzen Vorteil weggeworfen.
Das ist die Regel, die du mitnimmst: Wenn du das Gefühl hast, du könntest hier einfach einen ruhigen Zug machen, zähl vorher, wie viele deiner Figuren den gegnerischen König sehen. Wenn die Antwort null ist, ist der ruhige Zug fast immer falsch.
Faris Rashid Alriyami (THA, 1909)
GM Gukesh D (IND, 2703)
36.f6, den fast niemand spielt
Ein paar Züge später ist der schwarze König nach h6 spaziert und Weiss gewinnt haushoch. Auch hier war nicht alles perfekt: war die grösste Ungenauigkeit der ganzen Partie, war genauer. Nur ändert das an einer Stellung, die schon gewonnen ist, herzlich wenig.
Und dann kommt . Nicht schlagen, nicht absichern, nicht den König in Sicherheit bringen: den Bauern weiterschieben, mitten unter die schwarzen Figuren. Die allermeisten Spieler nehmen hier mit oder decken mit ab. Der Punkt ist , und der zweite Freibauer kostet Material. Schwarz nimmt stattdessen mit , und dann kommt . Der Turm stellt sich, durch den Bauern auf h4 gedeckt, direkt neben den schwarzen König, schlagen geht nicht, und das Matt ist in sechs Zügen da. Schwarz gibt auf.
Zwei verbundene Freibauern sind nicht zwei Bauern, sie sind eine Drohung, die sich selbst verdoppelt. Schieb den, der eine Linie zum König aufmacht, nicht den, der am weitesten vorne steht.
Faris Rashid Alriyami (THA, 1909)
GM Gukesh D (IND, 2703)
Fazit
Am Ende steht 1-0, und das war bei 794 Elopunkten Unterschied auch die Erwartung. Interessant ist der Weg dorthin: 27 Züge lang passiert nichts Spektakuläres, Gukesh lässt sogar die beste Gelegenheit der Partie liegen, und trotzdem steht der Gegner irgendwann vor einer Stellung, in der jeder normale Zug den Vorteil nicht mehr hergibt, sondern die Partie. Genau das ist die Kunst gegen schwächere Gegner, und genau deshalb lohnt sich diese Partie mehr als jede Zwanzigzugkatastrophe: Du siehst, was ein kleiner Vorteil wert ist, wenn jemand ihn 27 Züge lang nicht aus der Hand gibt. Für Gukesh ist es der Auftakt zur Olympiade, auf dem Weg zum WM-Kampf in Genf.
Züge
1-0
War diese Analyse hilfreich?